Gene verändern - Unmöglich
Deine Gene kannst Du nicht ändern. Aber für Deine Augen kannst Du trotzdem einiges tun.
Warum Veranlagung nicht alles ist – und welche Entscheidungen im Alltag für Deine Augengesundheit sinnvoll sein können
Vielleicht kennst Du diesen Satz:
„Bei uns liegt das in der Familie.“
Manchmal geht es dabei um Bluthochdruck, manchmal um Diabetes oder bestimmte Herzerkrankungen.
Und manchmal um die Augen.
Vielleicht hatte Deine Mutter eine Makuladegeneration. Dein Vater benötigte wegen eines Glaukoms regelmäßig Augentropfen. Oder mehrere Familienmitglieder sind stark kurzsichtig.
Da liegt eine Frage nahe:
Wenn meine Gene ohnehin mitentscheiden, wie gesund meine Augen bleiben – was kann ich dann überhaupt selbst tun?
Die Antwort ist erfreulicherweise nicht ganz so einfach, wie es zunächst scheint.
Denn unsere Gesundheit entsteht aus dem Zusammenspiel zahlreicher Faktoren.
Manche davon können wir nicht verändern.
Andere können wir zumindest teilweise beeinflussen.
Du kannst Deine genetische Veranlagung nicht einfach austauschen. Aber Du kannst Entscheidungen treffen, die für Deine Augengesundheit sinnvoll sind.
Und genau darum geht es heute.
1. Was haben Deine Gene mit Deinen Augen zu tun?
Unsere Gene enthalten Informationen, die für die Entwicklung und Funktion unseres Körpers wichtig sind.
Das gilt selbstverständlich auch für die Augen.
Sie beeinflussen beispielsweise die Entwicklung bestimmter Augenstrukturen und können an der Entstehung oder am Risiko verschiedener Augenerkrankungen beteiligt sein.
Bei manchen seltenen Erkrankungen spielen Veränderungen einzelner Gene eine entscheidende Rolle.
Bei vielen häufigen Augenerkrankungen ist die Situation komplexer.
Dort wirken häufig mehrere genetische Varianten zusammen. Hinzu kommen Alter, Umweltbedingungen und weitere persönliche Risikofaktoren.
Ein bekanntes Beispiel ist die altersabhängige Makuladegeneration, kurz AMD.
Bei dieser Erkrankung können genetische Faktoren das individuelle Risiko beeinflussen.
Auch bei bestimmten Formen des Glaukoms und bei Kurzsichtigkeit spielt die familiäre Veranlagung eine Rolle.
Doch ein erhöhtes genetisches Risiko bedeutet nicht automatisch, dass eine Erkrankung auftreten muss.
Umgekehrt schützt eine unauffällige Familiengeschichte nicht zuverlässig davor, irgendwann eine Augenerkrankung zu entwickeln.
Veranlagung ist ein Risikofaktor – aber nicht immer eine feststehende Vorhersage.
2. Warum es sinnvoll ist, die eigene Familiengeschichte zu kennen
Vielleicht weißt Du, welche Augenprobleme Deine Eltern oder Großeltern hatten.
Vielleicht auch nicht.
Dabei können solche Informationen für die augenärztliche Betreuung hilfreich sein.
Wenn in Deiner Familie beispielsweise ein Glaukom oder eine altersabhängige Makuladegeneration vorkommt, solltest Du das bei einer augenärztlichen Untersuchung erwähnen.
Auch bestimmte erbliche Netzhauterkrankungen oder ausgeprägte Fehlsichtigkeiten können für die persönliche Risikoeinschätzung relevant sein.
Du musst dafür keinen komplizierten Stammbaum erstellen.
Häufig reicht es schon, wenn Du weißt, welche Erkrankung bei welchem Familienmitglied diagnostiziert wurde.
Diese Information kann helfen, gemeinsam mit Deinem Augenarzt zu entscheiden, welche Untersuchungen und Kontrollabstände sinnvoll sind.
3. Augenärztliche Kontrollen: Nicht erst warten, bis Du schlechter siehst
Viele Menschen lassen ihre Augen erst untersuchen, wenn sie Veränderungen bemerken.
Vielleicht wird das Lesen anstrengender.
Vielleicht reicht die bisherige Brille nicht mehr aus.
Oder das Sehen bei Dunkelheit fällt schwerer.
Solche Beschwerden sind verständliche Gründe für eine Untersuchung.
Doch manche Augenerkrankungen können sich zunächst entwickeln, ohne deutliche Symptome zu verursachen.
Ein Beispiel ist das Glaukom.
Bei bestimmten Formen können Veränderungen am Sehnerv und Gesichtsfeld über längere Zeit unbemerkt bleiben.
Auch Veränderungen der Netzhaut werden nicht immer sofort wahrgenommen.
Deshalb kann es sinnvoll sein, das persönliche Risiko augenärztlich einschätzen zu lassen.
Wie häufig Kontrollen erforderlich sind, hängt unter anderem von Deinem Alter, Deiner Familiengeschichte, vorhandenen Erkrankungen und bisherigen Untersuchungsergebnissen ab.
Eine einheitliche Kontrollfrequenz für alle Menschen gibt es nicht.
Auch ist nicht jede angebotene Vorsorgeuntersuchung für jeden Menschen gleichermaßen sinnvoll oder wissenschaftlich ausreichend belegt.
Mein Rat: Besprich mit Deinem Augenarzt, welche Untersuchungen in Deiner persönlichen Situation sinnvoll sind – statt Dich allein auf allgemeine Altersgrenzen zu verlassen.
4. Bildschirmarbeit: Kleine Pausen können einen Unterschied machen
Vielleicht verbringst Du täglich mehrere Stunden am Computer.
Dann kennst Du möglicherweise müde, trockene oder brennende Augen.
Bei konzentrierter Bildschirmarbeit schauen wir häufig lange auf eine ähnliche Entfernung.
Außerdem kann sich unser Blinzelverhalten verändern.
Wir blinzeln unter Umständen seltener oder unvollständig.
Dadurch kann der Tränenfilm auf der Augenoberfläche instabiler werden.
Regelmäßige Unterbrechungen können helfen, die Belastung angenehmer zu gestalten.
Eine bekannte Orientierung ist die 20-20-20-Regel:
Nach ungefähr 20 Minuten Naharbeit schaust Du für etwa 20 Sekunden auf einen Gegenstand in mindestens sechs Metern Entfernung.
Die genaue Zahlenkombination ist nicht als medizinisch eindeutig überlegener Pausenrhythmus belegt.
Sie kann aber eine praktische Erinnerung sein, regelmäßig die Blickentfernung zu wechseln.
Auch bewusstes, vollständiges Blinzeln und geeignete Lichtverhältnisse können hilfreich sein.
Wichtig ist allerdings die richtige Einordnung:
Solche Maßnahmen dienen vor allem dazu, Beschwerden bei längerer Naharbeit zu reduzieren.
Sie sind keine nachgewiesene Methode, um beispielsweise eine Makuladegeneration oder ein Glaukom zu verhindern.
5. Nicht rauchen: Eine besonders wichtige Entscheidung
Wenn wir über beeinflussbare Risikofaktoren für die Augen sprechen, verdient das Rauchen besondere Aufmerksamkeit.
Rauchen ist mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Erkrankungen verbunden.
Dazu gehört auch die altersabhängige Makuladegeneration.
Die Zusammenhänge sind wissenschaftlich gut untersucht.
Tabakrauch enthält zahlreiche Stoffe, die unter anderem Entzündungsprozesse und oxidative Vorgänge beeinflussen können.
Rauchen wirkt außerdem auf Blutgefäße und andere Strukturen des Körpers.
Wer nicht raucht, vermeidet damit einen wichtigen gesundheitlichen Risikofaktor.
Und wer mit dem Rauchen aufhört, trifft eine sinnvolle Entscheidung für seine allgemeine Gesundheit.
Das bedeutet nicht, dass Nichtraucher keine Augenerkrankungen entwickeln können.
Aber es zeigt, dass manche Risikofaktoren tatsächlich in unserem Einflussbereich liegen.
Wenn Du für Deine Gesundheit nur eine Gewohnheit besonders kritisch betrachten möchtest, gehört das Rauchen ganz sicher dazu.
6. Deine Ernährung gehört ebenfalls zum Gesamtbild
Unsere Augen sind Teil unseres Körpers.
Ihre Zellen benötigen Energie und verschiedene Nährstoffe, um normale Funktionen aufrechtzuerhalten.
Besonders die Netzhaut ist stoffwechselaktiv.
Es ist deshalb selbstverständlich, dass auch die allgemeine Nährstoffversorgung für das Sehsystem von Bedeutung ist.
Dabei kommt es nicht auf ein einzelnes Wundervitamin an.
Eine ausgewogene Ernährung mit unterschiedlichen Gemüsearten, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und weiteren geeigneten Lebensmitteln kann zur Versorgung mit zahlreichen Nährstoffen beitragen.
Doch auch hier sollten wir genau unterscheiden.
Eine angemessene Nährstoffversorgung ist etwas anderes als die Behauptung, dass bestimmte Lebensmittel eine Augenerkrankung verhindern oder behandeln können.
Solche Schlussfolgerungen lassen sich nicht pauschal ziehen.
7. Vitamin A, Riboflavin und Zink: Was ist wissenschaftlich anerkannt?
Drei Nährstoffe sind im Zusammenhang mit der normalen Sehkraft besonders interessant.
Für sie gibt es in der Europäischen Union ausdrücklich zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen.
Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.
Vitamin A spielt unter anderem eine wichtige Rolle im Sehzyklus der Netzhaut.
Ein ausgeprägter Mangel kann deshalb den normalen Sehvorgang beeinträchtigen.
Riboflavin trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.
Riboflavin ist auch als Vitamin B2 bekannt.
Es ist an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt und gehört zu den essenziellen Vitaminen.
Zink trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.
Zink ist ein Spurenelement, das unter anderem für die Funktion zahlreicher Enzyme und Proteine benötigt wird.
Diese Aussagen beschreiben normale physiologische Funktionen.
Sie bedeuten nicht, dass eine zusätzliche Einnahme dieser Nährstoffe die Sehschärfe eines ausreichend versorgten Menschen verbessert.
Ebenso wenig sind sie ein Beleg dafür, dass damit bestimmte Augenerkrankungen verhindert oder behandelt werden können.
8. Vitamin C und Vitamin E: Schutz vor oxidativem Stress
In unseren Körperzellen entstehen bei normalen Stoffwechselvorgängen reaktive Sauerstoffverbindungen.
Das gehört zur Biologie unseres Körpers.
Wenn ihre Bildung und die körpereigenen Schutzmechanismen aus dem Gleichgewicht geraten, kann oxidativer Stress entstehen.
Unser Körper besitzt verschiedene Mechanismen, um mit solchen Vorgängen umzugehen.
Auch bestimmte Nährstoffe spielen dabei eine Rolle.
Für Vitamin C und Vitamin E sind folgende gesundheitsbezogene Aussagen zugelassen:
Vitamin C trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
Diese Aussagen gelten für Körperzellen allgemein.
Sie sind keine speziellen Aussagen über die Vorbeugung oder Behandlung von Augenerkrankungen.
Auch hier gilt: Eine normale antioxidative Funktion ist nicht gleichbedeutend mit einer nachgewiesenen therapeutischen Wirkung.
9. Warum Nahrungsergänzungsmittel nicht automatisch mehr Sicherheit bedeuten
Vielleicht entsteht jetzt die Frage, ob man die genannten Vitamine und Mineralstoffe vorsorglich zusätzlich einnehmen sollte.
Doch eine solche Empfehlung wäre zu pauschal.
Wenn der Körper ausreichend mit einem Nährstoff versorgt ist, muss eine zusätzliche Zufuhr keinen weiteren Vorteil bringen.
Bei manchen Vitaminen und Mineralstoffen können hohe Dosierungen sogar unerwünschte Wirkungen haben.
Eine gezielte Ergänzung kann beispielsweise bei einem nachgewiesenen Mangel oder besonderen medizinischen Situationen sinnvoll sein.
Auch bei bestimmten Stadien der altersabhängigen Makuladegeneration wurden spezielle Nährstoffkombinationen untersucht.
Bekannt sind die AREDS- und AREDS2-Studien.
Für ausgewählte Patientengruppen konnte gezeigt werden, dass bestimmte Kombinationen das Risiko eines Fortschreitens zu einer fortgeschrittenen AMD verringern können.
Das ist jedoch keine allgemeine Empfehlung für gesunde Menschen.
Und es bedeutet nicht, dass beliebige Nahrungsergänzungsmittel Augenerkrankungen verhindern können.
Bei einer bestehenden Augenerkrankung sollte die Entscheidung über solche Präparate gemeinsam mit dem behandelnden Augenarzt getroffen werden.
10. Auch Deine allgemeine Gesundheit beeinflusst Deine Augen
Augengesundheit lässt sich nicht vollständig vom übrigen Körper trennen.
Ein Beispiel ist Diabetes mellitus.
Über längere Zeit erhöhte Blutzuckerwerte können Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen der Netzhaut begünstigen.
Diese werden unter dem Begriff diabetische Retinopathie zusammengefasst.
Auch ein erhöhter Blutdruck kann sich auf Gefäße im Auge auswirken.
Deshalb gehört die angemessene Behandlung solcher Erkrankungen auch zur Sorge um die Augengesundheit.
Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und die medizinische Betreuung bestehender Risikofaktoren sind Teil eines vernünftigen Gesamtkonzepts.
Dabei sollte niemand glauben, mit einem gesunden Lebensstil jede Erkrankung zuverlässig verhindern zu können.
Manche Krankheiten entstehen trotz großer persönlicher Sorgfalt.
Das ändert jedoch nichts daran, dass beeinflussbare Risikofaktoren Aufmerksamkeit verdienen.
11. Was Du nicht selbst behandeln solltest
Bei allen Möglichkeiten, die wir im Alltag haben, gibt es eine wichtige Grenze.
Neue Sehstörungen sollten nicht allein durch Ernährungsumstellungen, Bildschirmpausen oder Nahrungsergänzungsmittel behandelt werden.
Besonders ernst zu nehmen sind plötzlich auftretende Sehverschlechterungen, Lichtblitze, neue Schatten im Gesichtsfeld oder starke Augenschmerzen.
Solche Symptome können auf Erkrankungen hinweisen, die rasch untersucht werden müssen.
Bei plötzlichem Sehverlust, einem neu auftretenden vorhangartigen Schatten oder anderen akuten Warnzeichen ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich.
Auch eine bereits diagnostizierte Augenerkrankung benötigt die individuell vorgesehene Behandlung und Betreuung.
Ein vernünftiger Lebensstil kann die medizinische Versorgung ergänzen. Er ersetzt sie nicht.
12. Fünf Entscheidungen, die Du selbst beeinflussen kannst
Vielleicht erscheint Dir das Thema nach all diesen Informationen ziemlich komplex.
Dabei lässt sich der praktische Teil einfach zusammenfassen.
Erstens: Kenne Deine familiären Risiken und sprich bei augenärztlichen Untersuchungen darüber.
Zweitens: Lass Dich beraten, welche Kontrollen für Dich persönlich sinnvoll sind.
Drittens: Gestalte längere Bildschirmarbeit möglichst angenehm, mit regelmäßigen Blickpausen und geeigneten Arbeitsbedingungen.
Viertens: Verzichte möglichst auf das Rauchen.
Fünftens: Achte auf eine ausgewogene Ernährung und die angemessene Behandlung bestehender Erkrankungen.
Das sind keine Garantien für dauerhaft gesunde Augen.
Aber es sind vernünftige Entscheidungen, die Du selbst mitgestalten kannst.
Fazit: Deine Gene sind nicht Deine einzige Einflussgröße
Unsere Augen sind faszinierende und zugleich empfindliche Organe.
Wie sie sich im Laufe des Lebens verändern, hängt von vielen Faktoren ab.
Einige davon liegen außerhalb unseres Einflussbereichs.
Dazu gehören unser Alter und unsere genetische Veranlagung.
Andere Faktoren können wir zumindest teilweise beeinflussen.
Wir können auf das Rauchen verzichten, unsere Ernährung abwechslungsreich gestalten, längere Bildschirmarbeit regelmäßig unterbrechen und bestehende Erkrankungen medizinisch betreuen lassen.
Auch die individuelle augenärztliche Vorsorge gehört dazu.
Vitamin A, Riboflavin und Zink tragen zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.
Vitamin C und Vitamin E tragen dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
Doch kein einzelner Nährstoff und keine einzelne Gewohnheit kann uns garantieren, dass unsere Augen gesund bleiben.
Mein Rat: Beschäftige Dich nicht nur mit den Risiken, die Du nicht verändern kannst. Nutze auch die Möglichkeiten, die tatsächlich in Deiner Hand liegen.
Denn für Deine Augen gilt wie für viele andere Bereiche Deiner Gesundheit:
Nicht alles ist beeinflussbar.
Aber manches schon.
Und damit kannst Du heute beginnen.
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Gesundheitsinformation. Er ersetzt keine individuelle augenärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Funktionen von Vitaminen und Mineralstoffen begründen keine Aussage zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Augenerkrankungen. Bei bestehenden Erkrankungen sind ärztlich empfohlene Behandlungen fortzuführen. Plötzlich auftretende Sehstörungen und andere akute Warnzeichen erfordern eine unverzügliche medizinische Abklärung.




