Abends schlechter sehen - ist das normal?
Siehst Du abends schlechter als morgens? Dann achte einmal darauf, wann das passiert.
Morgens kannst Du noch problemlos lesen. Doch abends werden die Buchstaben unscharf, das Fokussieren fällt schwerer und Deine Augen fühlen sich müde an. Hat sich Deine Sehkraft verschlechtert?
Vielleicht kennst Du diese Situation.
Du hast einen langen Tag hinter Dir. Du hast am Computer gearbeitet, Nachrichten auf dem Smartphone gelesen oder Dich intensiv mit Unterlagen beschäftigt.
Am Morgen war noch alles in Ordnung.
Doch jetzt fällt es Dir schwerer, kleine Buchstaben zu erkennen. Vielleicht musst Du häufiger blinzeln oder das Smartphone etwas weiter von Deinen Augen entfernen.
Manchmal kommt ein leichtes Brennen hinzu.
Und plötzlich fragst Du Dich:
Brauche ich eine neue Brille?
Das ist eine mögliche Erklärung. Aber längst nicht die einzige.
Denn unser Sehen hängt von verschiedenen Faktoren ab, die sich im Laufe eines Tages verändern können.
Warum können unsere Augen abends anders reagieren als morgens?
Unsere Augen sind den ganzen Tag über aktiv.
Sie nehmen Licht auf, stellen sich auf unterschiedliche Entfernungen ein und verarbeiten ständig neue visuelle Informationen.
Dabei verändern sich auch die Anforderungen an das Sehsystem.
Morgens schauen wir vielleicht aus dem Fenster, bewegen uns im Freien und wechseln häufig zwischen unterschiedlichen Entfernungen.
Später sitzen wir mehrere Stunden am Bildschirm.
Wir lesen, schreiben, konzentrieren uns auf kleine Details und schauen immer wieder auf unser Smartphone.
Diese anhaltende Naharbeit kann zu Beschwerden führen, die als visuelle Ermüdung oder digitale Augenbelastung bezeichnet werden.
Dazu gehören unter anderem vorübergehende Sehunschärfe, Schwierigkeiten beim Fokussieren, trockene Augen und ein unangenehmes Gefühl rund um die Augen.
Allerdings ist nicht jede abendliche Sehverschlechterung durch Bildschirmarbeit erklärbar.
Was hat der Tränenfilm mit scharfem Sehen zu tun?
Wenn wir an gutes Sehen denken, fallen uns meistens die Hornhaut, die Linse und die Netzhaut ein.
Doch auch der Tränenfilm spielt eine wichtige Rolle.
Er bedeckt die Augenoberfläche und trägt dazu bei, dass einfallendes Licht möglichst gleichmäßig gebrochen wird.
Dafür muss er ausreichend stabil und gleichmäßig verteilt sein.
Normalerweise sorgt regelmäßiges Blinzeln dafür, dass der Tränenfilm immer wieder erneuert und über die Augenoberfläche verteilt wird.
Bei konzentrierter Bildschirmarbeit verändert sich häufig unser Blinkverhalten.
Wir blinzeln seltener oder schließen die Augenlider nicht vollständig.
Dadurch kann der Tränenfilm schneller instabil werden.
Die Folge können Trockenheitsgefühl, Brennen oder zeitweise schwankende Sehschärfe sein.
Vielleicht hast Du schon einmal bemerkt, dass Du nach einigen bewussten Lidschlägen kurzfristig wieder deutlicher siehst.
Das kann mit einer erneuten Verteilung des Tränenfilms zusammenhängen.
Es ist allerdings kein sicherer Beweis dafür, dass trockene Augen die Ursache Deiner Beschwerden sind.
Warum fällt das Fokussieren manchmal schwerer?
Damit wir Gegenstände in unterschiedlichen Entfernungen scharf sehen können, muss sich unser Auge optisch anpassen.
Diesen Vorgang nennt man Akkommodation.
Dabei verändert die Augenlinse ihre Form.
Wenn Du längere Zeit auf einen Bildschirm oder ein Buch schaust, bleibt das Sehsystem über längere Zeit auf eine relativ kurze Entfernung eingestellt.
Bei anhaltender Naharbeit können Beschwerden entstehen, die mit der Akkommodation oder dem Zusammenspiel beider Augen zusammenhängen.
Manche Menschen bemerken dann, dass der Wechsel vom Nahsehen zum Blick in die Ferne vorübergehend unangenehm ist oder die Scharfstellung einen Moment dauert.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Augenmuskulatur erschöpft oder dauerhaft geschädigt ist.
Auch eine unzureichend korrigierte Fehlsichtigkeit kann solche Beschwerden begünstigen.
Welche Rolle spielt das Alter?
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Fähigkeit unserer Augen, nahe Gegenstände scharf abzubilden.
Dieser normale Alterungsprozess wird als Presbyopie oder Alterssichtigkeit bezeichnet.
Die Augenlinse verliert allmählich an Elastizität.
Dadurch wird es schwieriger, auf kurze Entfernungen zu fokussieren.
Die Veränderungen beginnen häufig im mittleren Erwachsenenalter und nehmen über die folgenden Jahre zu.
Besonders bei schlechten Lichtverhältnissen oder nach längerer Naharbeit können die Schwierigkeiten deutlicher auffallen.
Wer abends kleine Buchstaben schlechter lesen kann, benötigt deshalb möglicherweise eine angepasste Sehhilfe.
Ob das tatsächlich der Grund ist, lässt sich durch eine Untersuchung feststellen.
Warum kann die Beleuchtung einen Unterschied machen?
Vielleicht hast Du schon einmal bemerkt, dass Du bei hellem Tageslicht besser lesen kannst als abends bei einer schwachen Lampe.
Dafür gibt es verschiedene optische und physiologische Gründe.
Bei geringerer Helligkeit erweitert sich die Pupille.
Dadurch können bestimmte Abbildungsfehler des Auges stärker ins Gewicht fallen.
Auch der Kontrast und die Lesbarkeit kleiner Schrift können bei ungünstiger Beleuchtung abnehmen.
Gerade bei bereits bestehenden Fehlsichtigkeiten oder altersbedingten Veränderungen kann sich das bemerkbar machen.
Eine gute, möglichst blendfreie Beleuchtung ist deshalb ein wichtiger Bestandteil angenehmer Sehbedingungen.
Allerdings gilt auch hier:
Eine auffällige Verschlechterung des Sehens bei Dämmerung oder Dunkelheit kann unterschiedliche medizinische Ursachen haben und sollte bei wiederholtem Auftreten untersucht werden.
Können trockene Augen im Laufe des Tages stärker auffallen?
Ja, das ist möglich.
Bei manchen Menschen nehmen Beschwerden der Augenoberfläche im Laufe des Tages zu.
Dazu können längere Bildschirmarbeit, trockene Raumluft, klimatisierte Räume oder andere Umwelteinflüsse beitragen.
Auch Veränderungen der Tränenproduktion und der Zusammensetzung des Tränenfilms können beteiligt sein.
Besonders bei Menschen mit bereits bestehender Erkrankung des trockenen Auges können solche Faktoren eine Rolle spielen.
Die Beschwerden können sich durch Brennen, Fremdkörpergefühl, wechselnde Sehschärfe oder vermehrtes Tränen bemerkbar machen.
Interessanterweise können also auch tränende Augen mit einer Störung des Tränenfilms zusammenhängen.
Eine sichere Diagnose lässt sich daraus allein jedoch nicht ableiten.
Was kannst Du selbst beobachten?
Wenn Du bemerkst, dass Deine Sicht abends häufiger verschwommen ist, lohnt es sich, die Umstände genauer zu betrachten.
Vielleicht helfen Dir einige einfache Fragen:
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Tritt die Sehunschärfe vor allem nach längerer Bildschirmarbeit auf?
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Sind beide Augen betroffen oder nur eines?
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Betrifft die Veränderung das Lesen in der Nähe oder auch das Sehen in die Ferne?
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Wird die Sicht nach bewusstem Blinzeln kurzzeitig klarer?
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Verschwindet die Veränderung nach einer Unterbrechung der Naharbeit?
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Spielt die Beleuchtung eine Rolle?
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Treten gleichzeitig Brennen, Schmerzen oder andere Beschwerden auf?
Solche Beobachtungen können wertvolle Hinweise liefern.
Sie ersetzen allerdings keine fachliche Untersuchung.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer vorübergehenden, situationsabhängigen Sehunschärfe und einer neu auftretenden oder anhaltenden Sehverschlechterung.
Können kurze Bildschirmpausen sinnvoll sein?
Bei längerer Bildschirmarbeit werden häufig regelmäßige kurze Unterbrechungen empfohlen.
Dabei kannst Du den Blick bewusst vom Bildschirm lösen und auf einen weiter entfernten Gegenstand richten.
Eine bekannte Orientierung ist die sogenannte 20-20-20-Regel.
Sie empfiehlt, ungefähr alle 20 Minuten für etwa 20 Sekunden auf etwas in mindestens sechs Metern Entfernung zu schauen.
Die genaue Zeitvorgabe ist wissenschaftlich nicht als optimale oder überlegene Methode gesichert.
Dennoch ist es vernünftig, längere Phasen konzentrierter Naharbeit gelegentlich zu unterbrechen.
Auch bewusstes vollständiges Blinzeln kann helfen, den Tränenfilm gleichmäßiger über die Augenoberfläche zu verteilen.
Solche Maßnahmen sind jedoch keine Behandlung für eine bestehende Augenerkrankung.
Wann solltest Du eine neue Brille überprüfen lassen?
Wenn Du beim Lesen regelmäßig Schwierigkeiten hast, Gegenstände näher heranholen oder weiter entfernen musst oder häufiger die Augen zusammenkneifst, kann eine Überprüfung Deiner Sehkorrektur sinnvoll sein.
Das gilt besonders, wenn Du bereits eine Brille trägst.
Die optimale Sehhilfe hängt unter anderem von der Arbeitsentfernung und Deinen individuellen Sehbedingungen ab.
Eine Lesebrille muss beispielsweise nicht automatisch für die Entfernung zum Computerbildschirm geeignet sein.
Auch eine nicht ausreichend korrigierte Hornhautverkrümmung kann die Sehqualität beeinflussen.
Ob eine Anpassung notwendig ist, sollte durch eine fachgerechte Prüfung geklärt werden.
Wann ist eine augenärztliche Untersuchung notwendig?
Nicht jede vorübergehende Sehunschärfe ist ein Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung.
Dennoch sollten wiederkehrende, zunehmende oder anhaltende Veränderungen des Sehens untersucht werden.
Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn nur ein Auge betroffen ist oder zusätzliche Beschwerden auftreten.
Eine plötzlich einsetzende Sehverschlechterung, ein akuter Sehverlust, starke Augenschmerzen, neu auftretende Lichtblitze oder ein dunkler Schatten im Gesichtsfeld können auf dringlich behandlungsbedürftige Erkrankungen hinweisen.
In solchen Fällen sollte unverzüglich eine augenärztliche beziehungsweise notfallmedizinische Abklärung erfolgen.
Wichtig ist außerdem:
Auch eine plötzlich aufgetretene Sehverschlechterung, die sich nach kurzer Zeit wieder zurückbildet, kann medizinisch dringlich sein.
Deshalb sollte man sich nicht allein darauf verlassen, dass sich das Sehen nach Ruhe wieder normalisiert.
Was sagt Dir Dein Körper damit?
Vielleicht zunächst einmal, dass es sinnvoll ist, genauer hinzuschauen.
Wenn Deine Augen nach einem langen Arbeitstag müde wirken, kann das mit den Anforderungen der Naharbeit zusammenhängen.
Wenn Deine Sicht bei schlechter Beleuchtung nachlässt, können optische und altersbedingte Faktoren beteiligt sein.
Wenn die Sehschärfe schwankt und die Augen brennen, kann auch die Augenoberfläche eine Rolle spielen.
Aber aus einem einzelnen Symptom lässt sich nicht zuverlässig auf eine bestimmte Ursache schließen.
Deshalb ist es sinnvoll, Veränderungen bewusst wahrzunehmen, ohne sie vorschnell selbst zu erklären.
Fazit: Beobachte nicht nur, wie Du siehst, sondern auch wann
Wenn Du abends schlechter siehst als morgens, muss das nicht automatisch bedeuten, dass Deine Sehkraft dauerhaft nachgelassen hat.
Längere Bildschirmarbeit, Veränderungen des Tränenfilms, Nahsehbelastung und ungünstige Lichtverhältnisse können die Sehqualität beeinflussen.
Auch eine nicht optimal angepasste Brille oder altersbedingte Veränderungen kommen infrage.
Entscheidend ist, ob die Beschwerden nur in bestimmten Situationen auftreten, regelmäßig wiederkehren oder dauerhaft bestehen.
Und vor allem, ob Warnzeichen hinzukommen.
Deine Augen können Dir Hinweise geben. Aber erst eine fachliche Untersuchung kann klären, was tatsächlich dahintersteckt.
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine augenärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Wiederkehrende oder anhaltende Sehstörungen sollten fachlich abgeklärt werden. Plötzlich auftretende Sehstörungen können auch dann einen medizinischen Notfall darstellen, wenn sie sich rasch zurückbilden.




