Großer Fehler am PC - deine Augen sagen dir, wann es zu viel wird
Deine Augen können Dir ziemlich deutlich sagen, wann Du sie überforderst
Nach Stunden am Bildschirm werden die Buchstaben unscharf, Deine Augen brennen oder fühlen sich trocken und schwer an. Brauchst Du jetzt eine stärkere Brille?
Vielleicht kennst Du diese Situation.
Du sitzt konzentriert am Computer, beantwortest E-Mails, liest längere Texte oder arbeitest an einer Präsentation.
Anfangs ist alles ganz normal.
Doch irgendwann merkst Du, dass sich Deine Augen anders anfühlen.
Die Buchstaben erscheinen weniger deutlich. Vielleicht musst Du häufiger blinzeln. Manchmal brennen die Augen oder fühlen sich müde an.
Und dann kommt schnell der Gedanke:
Hat sich meine Sehstärke verschlechtert?
Das ist möglich. Aber es gibt auch andere Erklärungen.
Denn unsere Augen leisten bei der Bildschirmarbeit mehr, als uns häufig bewusst ist.
Warum Bildschirmarbeit unsere Augen besonders fordert
Unsere Augen sind darauf ausgelegt, unterschiedliche Entfernungen wahrzunehmen.
Im Alltag wechseln wir ständig zwischen Nähe und Ferne.
Wir schauen auf einen Gegenstand in unserer Hand, anschließend aus dem Fenster und dann vielleicht auf etwas, das sich in größerer Entfernung befindet.
Bei konzentrierter Bildschirmarbeit ist das anders.
Unser Blick bleibt oft über längere Zeit auf einen relativ kleinen Bereich gerichtet.
Dabei müssen die Augen kontinuierlich auf eine bestimmte Entfernung eingestellt bleiben.
Gleichzeitig verarbeiten wir zahlreiche visuelle Informationen.
Diese Kombination kann zu Beschwerden führen, die unter dem Begriff Digital Eye Strain oder digitale Augenbelastung zusammengefasst werden.
Dazu gehören beispielsweise vorübergehende Sehunschärfe, Augenbrennen, Trockenheitsgefühl und visuelle Ermüdung.
Was passiert eigentlich, wenn wir lange auf einen Bildschirm schauen?
Ein besonders interessanter Vorgang betrifft das Blinzeln.
Normalerweise schließen wir unsere Augenlider regelmäßig für einen kurzen Moment.
Dabei wird der Tränenfilm über die Augenoberfläche verteilt.
Dieser Tränenfilm erfüllt mehrere wichtige Aufgaben.
Er hält die Augenoberfläche feucht, trägt zu einer glatten optischen Oberfläche bei und unterstützt ihre Schutzfunktion.
Bei konzentrierter Bildschirmarbeit kann sich unser Blinkverhalten verändern.
Wir blinzeln häufig seltener und teilweise auch unvollständig.
Dadurch kann der Tränenfilm instabiler werden.
Die Augenoberfläche ist dann unter Umständen stärker der Verdunstung ausgesetzt.
Das kann erklären, warum sich die Augen nach längerer Bildschirmarbeit trocken oder gereizt anfühlen.
Warum können Buchstaben plötzlich unscharf erscheinen?
Damit wir scharf sehen können, müssen verschiedene Strukturen des Auges zusammenarbeiten.
Dazu gehören die Hornhaut, die Linse, die Netzhaut und der Tränenfilm.
Gerade der Tränenfilm wird dabei häufig unterschätzt.
Er bildet einen wichtigen Teil der optischen Oberfläche des Auges.
Wenn er ungleichmäßig verteilt oder instabil ist, kann die Bildqualität vorübergehend schwanken.
Vielleicht hast Du schon einmal bemerkt, dass Buchstaben kurzzeitig deutlicher erscheinen, nachdem Du bewusst geblinzelt hast.
Das kann mit einer erneuten Verteilung des Tränenfilms zusammenhängen.
Allerdings ist nicht jede Sehunschärfe auf trockene Augen zurückzuführen.
Auch Fehlsichtigkeiten, Veränderungen der Akkommodation und verschiedene Augenerkrankungen können eine Rolle spielen.
Deshalb sollte eine anhaltende oder wiederkehrende Sehverschlechterung augenärztlich beziehungsweise fachlich abgeklärt werden.
Warum fühlt sich Bildschirmarbeit manchmal so anstrengend an?
Bei längerer Naharbeit müssen unsere Augen ihre optische Einstellung über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten.
Daran beteiligt ist unter anderem die Akkommodation.
Dabei verändert die Augenlinse ihre Form, um Gegenstände in unterschiedlichen Entfernungen scharf abzubilden.
Auch das Zusammenspiel beider Augen ist wichtig.
Zusätzlich können ungünstige Arbeitsbedingungen Beschwerden begünstigen.
Dazu gehören beispielsweise störende Spiegelungen, schlecht lesbare Schriftgrößen, ungünstige Bildschirmabstände und eine nicht ausreichend korrigierte Fehlsichtigkeit.
Deshalb gibt es nicht immer nur einen einzigen Auslöser für Augenbeschwerden am Computer.
Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.
Können die Augen durch Bildschirmarbeit tatsächlich müde werden?
Ja, zumindest im Sinne einer subjektiv empfundenen visuellen Ermüdung.
Viele Menschen berichten nach längerer Bildschirmarbeit über schwere Augenlider, ein Druckgefühl um die Augen oder Schwierigkeiten, den Blick längere Zeit konzentriert auf einen Text zu richten.
Manchmal kommen Kopfschmerzen hinzu.
Diese Beschwerden bedeuten jedoch nicht automatisch, dass die Augen dauerhaft geschädigt wurden.
Digitale Augenbelastung ist zunächst ein Begriff für unterschiedliche Beschwerden im Zusammenhang mit visueller Bildschirmarbeit.
Ob eine behandlungsbedürftige Ursache vorliegt, muss im Einzelfall beurteilt werden.
Warum kann der Blick in die Ferne angenehm sein?
Wenn wir längere Zeit auf einen Bildschirm schauen, bleibt unser Blick überwiegend auf eine relativ kurze Entfernung gerichtet.
Ein gelegentlicher Wechsel zu weiter entfernten Gegenständen unterbricht diese anhaltende Naharbeit.
Dabei verändert sich auch die Anforderung an die Akkommodation.
Deshalb wird bei Bildschirmarbeit häufig empfohlen, regelmäßig kurze Sehpausen einzulegen.
Bekannt ist beispielsweise die sogenannte 20-20-20-Regel.
Dabei schaut man ungefähr alle 20 Minuten für etwa 20 Sekunden auf einen Gegenstand in mindestens sechs Metern Entfernung.
Diese Regel ist eine praktische Orientierungshilfe.
Sie ist jedoch keine medizinische Therapie und ihre genaue zeitliche Einteilung ist nicht durch hochwertige klinische Studien als überlegen gesichert.
Der Grundgedanke ist einfach: Längere Phasen konzentrierter Naharbeit regelmäßig unterbrechen.
Warum lohnt es sich, bewusst zu blinzeln?
Blinzeln ist normalerweise ein automatischer Vorgang.
Wir denken im Alltag kaum darüber nach.
Doch gerade bei konzentrierter Bildschirmarbeit kann es sinnvoll sein, gelegentlich bewusst vollständig zu blinzeln.
Dabei schließen sich die Augenlider kurz und der Tränenfilm wird erneut verteilt.
Das kann helfen, die Augenoberfläche gleichmäßiger zu benetzen.
Allerdings ist bewusstes Blinzeln kein Ersatz für die Behandlung einer bestehenden Erkrankung der Augenoberfläche.
Wenn ausgeprägte oder anhaltende Beschwerden bestehen, sollte die Ursache untersucht werden.
Welche Rolle spielt der Arbeitsplatz?
Auch die Gestaltung des Arbeitsplatzes kann Einfluss darauf haben, wie angenehm wir längere Zeit am Bildschirm arbeiten.
Ein Bildschirm sollte so positioniert sein, dass er ohne dauerhaft ungünstige Kopfhaltung betrachtet werden kann.
Häufig wird eine leicht unterhalb der horizontalen Blickrichtung liegende Bildschirmposition als angenehm empfunden.
Auch die Schriftgröße sollte so gewählt werden, dass Texte ohne unnötige Anstrengung gelesen werden können.
Störende Reflexionen und starke Helligkeitsunterschiede können die visuelle Belastung zusätzlich erhöhen.
Ein weiterer Faktor ist die Umgebungsluft.
Trockene Raumluft oder ein direkter Luftstrom auf das Gesicht können die Verdunstung des Tränenfilms begünstigen.
Es lohnt sich deshalb, nicht nur den Bildschirm selbst, sondern den gesamten Arbeitsplatz zu betrachten.
Sind spezielle Bildschirmbrillen notwendig?
Nicht jeder Mensch, der am Bildschirm arbeitet, benötigt automatisch eine spezielle Brille.
Entscheidend ist zunächst, ob eine Fehlsichtigkeit vorliegt und ob die vorhandene Sehhilfe für die jeweilige Arbeitsentfernung geeignet ist.
Gerade mit zunehmendem Alter verändert sich die Fähigkeit des Auges, nahe Gegenstände scharf einzustellen.
Diese sogenannte Presbyopie oder Alterssichtigkeit ist ein normaler altersabhängiger Vorgang.
Eine Brille, die für das Lesen eines Buches geeignet ist, muss nicht zwangsläufig auch für die Entfernung zum Computerbildschirm optimal sein.
Bei wiederkehrenden Beschwerden kann deshalb eine Überprüfung der Sehkorrektur sinnvoll sein.
Spezielle Blaulichtfilterbrillen haben dagegen bislang keinen überzeugend nachgewiesenen Vorteil bei der Verringerung digitaler Augenbelastung gegenüber normalen Brillengläsern.
Können trockene Augen auch andere Ursachen haben?
Ja.
Ein Trockenheitsgefühl ist nicht automatisch eine Folge von Bildschirmarbeit.
Auch Veränderungen der Tränenproduktion, der Zusammensetzung des Tränenfilms oder der Funktion der Lidranddrüsen können beteiligt sein.
Darüber hinaus können bestimmte Medikamente, Erkrankungen und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen.
Mit zunehmendem Alter treten Störungen der Augenoberfläche häufiger auf.
Deshalb ist es wichtig, anhaltende Beschwerden nicht ausschließlich auf den Computer zurückzuführen.
Wann solltest Du Deine Augen untersuchen lassen?
Wenn Deine Augen nach längerer Bildschirmarbeit gelegentlich müde wirken und sich die Beschwerden nach einer Unterbrechung wieder zurückbilden, kann dies mit visueller Belastung zusammenhängen.
Wenn die Beschwerden jedoch häufig auftreten, länger anhalten oder zunehmen, ist eine fachliche Untersuchung sinnvoll.
Das gilt besonders bei wiederkehrender Sehunschärfe, ausgeprägtem Trockenheitsgefühl, Schmerzen oder deutlicher Lichtempfindlichkeit.
Eine plötzlich auftretende Sehverschlechterung, einseitiger Sehverlust, starke Augenschmerzen oder neu auftretende Lichtblitze beziehungsweise ein Schatten im Gesichtsfeld müssen unverzüglich augenärztlich abgeklärt werden.
Was kannst Du im Alltag selbst beobachten?
Vielleicht hilft Dir bereits eine einfache Frage:
Wann fühlen sich Deine Augen besonders angestrengt an?
Nach langen Videokonferenzen?
Beim Lesen kleiner Schrift?
Am Abend nach vielen Stunden am Computer?
Oder vor allem in klimatisierten Räumen?
Solche Beobachtungen können Hinweise auf mögliche Belastungsfaktoren geben.
Du kannst außerdem darauf achten, ob kurze Unterbrechungen der Naharbeit, ein bewusster Blickwechsel oder eine Anpassung der Bildschirmposition einen Unterschied machen.
Dabei geht es nicht darum, eine Erkrankung selbst zu diagnostizieren.
Sondern darum, die eigenen Sehgewohnheiten besser kennenzulernen.
Fazit: Nicht jede Sehunschärfe bedeutet, dass Du eine stärkere Brille brauchst
Unsere Augen sind bei der Bildschirmarbeit vielfältigen Anforderungen ausgesetzt.
Längere Naharbeit, verändertes Blinkverhalten, ein instabiler Tränenfilm und ungünstige Arbeitsplatzbedingungen können zu Beschwerden beitragen.
Wenn Buchstaben nach Stunden am Computer unscharf erscheinen oder die Augen brennen, muss deshalb nicht zwangsläufig eine veränderte Sehstärke dahinterstecken.
Genauso wichtig ist aber, mögliche Fehlsichtigkeiten oder Augenerkrankungen nicht zu übersehen.
Regelmäßige kurze Unterbrechungen der Bildschirmarbeit, bewusste Blickwechsel und vollständiges Blinzeln sind einfache Maßnahmen, die sich in den Alltag integrieren lassen.
Denn manchmal brauchen Deine Augen nicht mehr Sehstärke – sondern einfach eine Pause.
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Gesundheitsinformation. Er ersetzt keine augenärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Augenbeschwerden sollte eine fachliche Abklärung erfolgen. Plötzlich auftretende Sehverschlechterungen, starke Augenschmerzen oder andere akute Sehstörungen können medizinische Notfälle darstellen.




