2 Pflanzenstoffe für Deine Augen
Zwei Pflanzenstoffe landen ausgerechnet dort, wo Du am schärfsten siehst
Lutein und Zeaxanthin: Warum zwei Carotinoide aus unserer Ernährung für die Augenforschung so interessant sind
Stell Dir vor, Du bereitest Dir einen frischen Salat zu.
Ein paar Blätter Spinat, etwas grünes Gemüse, vielleicht Mais oder andere bunte Zutaten.
Du denkst dabei vermutlich an Geschmack, Abwechslung und eine ausgewogene Ernährung.
Aber wahrscheinlich nicht an einen winzigen Bereich Deiner Netzhaut.
Dabei gibt es eine bemerkenswerte Verbindung zwischen bestimmten Lebensmitteln und genau jenem Teil Deines Auges, mit dem Du besonders scharf siehst.
Zwei natürliche Pflanzenstoffe spielen dabei eine interessante Rolle: Lutein und Zeaxanthin.
Beide gehören zu den Carotinoiden. Wir nehmen sie mit der Nahrung auf, und beide kommen natürlicherweise auch im menschlichen Auge vor.
Besonders hohe Konzentrationen finden sich im Bereich der Makula.
Das ist kein Beweis für eine vorbeugende oder heilende Wirkung. Aber es ist ein faszinierender Zusammenhang zwischen Ernährung und der Biologie unseres Sehens.
1. Was sind Carotinoide überhaupt?
Carotinoide sind natürliche Farbstoffe, die vor allem von Pflanzen und bestimmten Mikroorganismen gebildet werden.
Sie sind unter anderem an den gelben, orangefarbenen und roten Farbtönen vieler Lebensmittel beteiligt.
Ein bekanntes Beispiel ist Beta-Carotin, das unter anderem in Karotten vorkommt.
Doch Carotinoide sind eine große Stoffgruppe.
Lutein und Zeaxanthin gehören zu einer Untergruppe, den sogenannten Xanthophyllen.
Chemisch unterscheiden sie sich nur geringfügig voneinander.
Trotzdem können sie im menschlichen Körper unterschiedlich verteilt sein.
Interessant ist außerdem, dass Lutein und Zeaxanthin nicht nur in gelben oder orangefarbenen Lebensmitteln vorkommen.
Auch dunkelgrünes Blattgemüse kann beträchtliche Mengen enthalten.
Dort werden die gelblichen Pflanzenfarbstoffe durch das grüne Chlorophyll optisch überdeckt.
Ein kräftig grünes Gemüse kann also durchaus Carotinoide enthalten, die wir normalerweise eher mit gelben Farbtönen verbinden.
2. Wie gelangen Lutein und Zeaxanthin in unseren Körper?
Wenn Du Lebensmittel mit Lutein und Zeaxanthin isst, gelangen diese Stoffe zunächst in Deinen Verdauungstrakt.
Da sie fettlöslich sind, spielt die Zusammensetzung der Mahlzeit bei ihrer Aufnahme eine Rolle.
Nach der Aufnahme im Darm werden sie über Transportmechanismen im Körper verteilt.
Dabei gelangen bestimmte Mengen auch in verschiedene Gewebe.
Besonders bemerkenswert ist ihre Anreicherung im Auge.
Denn dort finden sich Lutein und Zeaxanthin nicht einfach gleichmäßig verteilt.
Im Bereich der Makula treten besonders hohe Konzentrationen auf.
Warum diese Stoffe gerade dort vorkommen und wie ihre Verteilung reguliert wird, ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.
3. Die Makula: ein kleiner Bereich mit einer großen Aufgabe
Die Makula wird auch als gelber Fleck bezeichnet.
Sie befindet sich ungefähr im Zentrum der Netzhaut.
Die Netzhaut ist die lichtempfindliche Gewebeschicht im hinteren Bereich unseres Auges.
Hier werden Lichtreize aufgenommen und in elektrische Signale umgewandelt, die über den Sehnerv zum Gehirn gelangen.
Innerhalb der Netzhaut übernimmt die Makula eine besonders wichtige Aufgabe.
Sie ermöglicht das zentrale, hochauflösende Sehen.
Wenn Du ein Buch liest, ein Gesicht erkennst oder kleine Details betrachtest, nutzt Du diesen Bereich besonders intensiv.
In der Mitte der Makula liegt die sogenannte Fovea, die Sehgrube.
Dort befinden sich besonders viele Zapfen, also Sinneszellen, die für das Farbsehen und die hohe Sehschärfe wichtig sind.
Die Makula ist gewissermaßen der Bereich Deiner Netzhaut, der auf feine Einzelheiten spezialisiert ist.
Und genau dort finden wir die beiden Carotinoide Lutein und Zeaxanthin in auffälliger Konzentration.
4. Warum heißt die Makula auch gelber Fleck?
Der Name ist kein Zufall.
Die gelbliche Färbung der Makula hängt mit natürlichen Pigmenten zusammen.
Zu ihnen gehören Lutein und Zeaxanthin sowie Meso-Zeaxanthin.
Gemeinsam bilden diese Stoffe das sogenannte Makulapigment.
Meso-Zeaxanthin kann im Auge unter anderem durch Umwandlung aus Lutein entstehen.
Das Makulapigment ist innerhalb der Makula nicht überall gleich stark konzentriert.
Die beteiligten Carotinoide zeigen unterschiedliche räumliche Verteilungsmuster.
Besonders im zentralen Bereich ist das Pigment von wissenschaftlichem Interesse.
Seine Konzentration kann mit speziellen Untersuchungsverfahren erfasst werden.
Solche Messungen werden unter anderem in der Forschung eingesetzt.
Dabei ist wichtig: Die gemessene Pigmentdichte allein erlaubt keine zuverlässige Aussage darüber, ob ein Mensch eine bestimmte Augenerkrankung entwickeln wird.
5. Welche Eigenschaften haben Lutein und Zeaxanthin?
Lutein und Zeaxanthin können aufgrund ihrer chemischen Struktur bestimmte Lichtanteile absorbieren.
Das Makulapigment absorbiert insbesondere einen Teil des kurzwelligen sichtbaren Lichts.
Außerdem werden antioxidative Eigenschaften dieser Carotinoide untersucht.
Das bedeutet, dass sie unter bestimmten Bedingungen an chemischen Vorgängen beteiligt sein können, die mit reaktiven Sauerstoffverbindungen zusammenhängen.
Solche Eigenschaften sind wissenschaftlich interessant.
Aber hier müssen wir genau unterscheiden.
Eine im Labor nachgewiesene chemische Eigenschaft ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem gesundheitlichen Nutzen beim Menschen.
Ebenso beweist das natürliche Vorkommen eines Stoffes im Auge nicht, dass seine zusätzliche Aufnahme eine Erkrankung verhindert.
Die physiologischen Eigenschaften von Lutein und Zeaxanthin sind erforscht. Welche gesundheitlichen Schlussfolgerungen daraus gezogen werden dürfen, ist jedoch eine andere Frage.
6. Können wir diese Pflanzenstoffe über die Ernährung aufnehmen?
Ja.
Lutein und Zeaxanthin kommen in verschiedenen Lebensmitteln vor.
Dazu gehören beispielsweise:
-
Grünkohl
-
Spinat
-
anderes grünes Blattgemüse
-
Brokkoli
-
Mais
-
bestimmte weitere Gemüsearten
Auch Eigelb enthält diese Carotinoide, obwohl Eier selbstverständlich keine pflanzlichen Lebensmittel sind.
Die enthaltenen Mengen unterscheiden sich je nach Lebensmittel, Sorte, Verarbeitung und Zubereitung.
Auch die Aufnahme durch den Körper kann variieren.
Da Lutein und Zeaxanthin fettlöslich sind, kann die Kombination mit etwas Nahrungsfett ihre Aufnahme beeinflussen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Du komplizierte Ernährungsregeln beachten musst.
Eine abwechslungsreiche Ernährung mit unterschiedlichen Gemüsearten und weiteren geeigneten Lebensmitteln bietet eine vernünftige Grundlage.
7. Bedeutet mehr Lutein automatisch besseres Sehen?
Diese Frage liegt nahe.
Wenn Lutein und Zeaxanthin im Bereich des schärfsten Sehens vorkommen, könnte man vermuten, dass eine besonders hohe Aufnahme auch zu besonders guter Sehkraft führt.
Doch eine solche Schlussfolgerung wäre zu einfach.
Zwar zeigen Untersuchungen, dass die Aufnahme bestimmter Carotinoide die Konzentration des Makulapigments beeinflussen kann.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sich dadurch die Sehschärfe klinisch relevant verbessert.
Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, dass eine zusätzliche Aufnahme grundsätzlich vor Augenerkrankungen schützt.
Für Lutein und Zeaxanthin gibt es in der Europäischen Union keine allgemein zugelassene gesundheitsbezogene Aussage zur Erhaltung normaler Sehkraft.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu Vitamin A und Zink.
Für diese beiden Nährstoffe ist die Aussage zugelassen, dass sie zur Erhaltung normaler Sehkraft beitragen.
Für Lutein und Zeaxanthin darf diese Aussage nicht einfach übernommen werden.
8. Was sagen wissenschaftliche Studien?
Lutein und Zeaxanthin wurden in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen erforscht.
Besonders bekannt ist die amerikanische AREDS2-Studie.
Dort untersuchten Wissenschaftler unter anderem spezielle Nährstoffkombinationen bei Menschen mit bestimmten Stadien der altersabhängigen Makuladegeneration.
Die altersabhängige Makuladegeneration, kurz AMD, ist eine Erkrankung des zentralen Netzhautbereichs.
Sie kann das scharfe Sehen beeinträchtigen.
Die AREDS2-Forschung lieferte wichtige Erkenntnisse über bestimmte Ergänzungspräparate bei ausgewählten Patientengruppen.
Diese Ergebnisse dürfen jedoch nicht mit einer allgemeinen Empfehlung für gesunde Menschen verwechselt werden.
Sie bedeuten insbesondere nicht, dass die Einnahme von Lutein und Zeaxanthin bei Menschen ohne entsprechende Erkrankung eine Makuladegeneration zuverlässig verhindert.
Auch die untersuchten Präparate enthielten mehrere Nährstoffe in festgelegten Dosierungen.
Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf einzelne Lebensmittel oder beliebige Nahrungsergänzungsmittel übertragen.
Bei einer bereits diagnostizierten Makuladegeneration gehört die Frage nach geeigneten Ergänzungspräparaten in die individuelle augenärztliche Beratung.
9. Warum die Forschung trotzdem so spannend ist
Manchmal erwarten wir von wissenschaftlichen Erkenntnissen sofort eine praktische Empfehlung.
Wir möchten wissen, welches Lebensmittel wir essen oder welches Präparat wir einnehmen sollten.
Doch Forschung beginnt häufig mit einer viel einfacheren Frage:
Warum ist etwas so, wie es ist?
Im Fall von Lutein und Zeaxanthin lautet eine solche Frage:
Warum reichern sich bestimmte Carotinoide gerade im zentralen Bereich der Netzhaut an?
Weitere Fragen betreffen die Aufnahme, den Transport und die Verteilung dieser Stoffe.
Auch die Bedeutung individueller Unterschiede in der Makulapigmentdichte wird untersucht.
Solche Forschungsfragen können unser Verständnis der Augenbiologie erweitern.
Aber nicht jede interessante Beobachtung führt zwangsläufig zu einer medizinischen Anwendung.
Wissenschaftlicher Fortschritt bedeutet auch, zwischen gesichertem Wissen, plausiblen Hypothesen und noch offenen Fragen zu unterscheiden.
10. Was bedeutet das für Deinen Alltag?
Vielleicht hast Du nach diesem Artikel Lust bekommen, häufiger grünes Gemüse auf Deinen Speiseplan zu setzen.
Das ist eine vernünftige Idee.
Allerdings nicht, weil Spinat oder Grünkohl eine bestimmte Augenerkrankung verhindern könnten.
Sondern weil eine abwechslungsreiche Ernährung zur allgemeinen Versorgung mit Nährstoffen beiträgt.
Deine Augen sind Teil Deines Körpers.
Und Dein Körper benötigt eine angemessene Versorgung mit zahlreichen Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Nahrungsbestandteilen.
Dazu gehören auch Stoffe, die wir nicht selbst bilden können und deshalb über die Nahrung aufnehmen müssen.
Lutein und Zeaxanthin sind zwei interessante Beispiele dafür, wie eng Ernährung und Körperfunktionen miteinander verbunden sein können.
Dabei solltest Du eines nicht vergessen:
Die Gesundheit Deiner Augen hängt nicht allein von Deiner Ernährung ab.
Auch das Rauchen, bestehende Erkrankungen, persönliche Risikofaktoren und eine angemessene augenärztliche Betreuung spielen eine Rolle.
Ein einzelner Pflanzenstoff kann diese Zusammenhänge nicht ersetzen.
Fazit: Zwei bemerkenswerte Bestandteile unserer Ernährung
Lutein und Zeaxanthin sind zwei natürliche Carotinoide, die wir über unsere Ernährung aufnehmen können.
Besonders interessant ist ihr Vorkommen im menschlichen Auge.
Dort finden sie sich in hoher Konzentration im Bereich der Makula – also genau dort, wo unser zentrales, besonders scharfes Sehen stattfindet.
Sie gehören zum natürlichen Makulapigment und besitzen Eigenschaften, die in der Augenforschung intensiv untersucht werden.
Doch daraus lässt sich keine pauschale vorbeugende oder heilende Wirkung ableiten.
Mein Rat: Freue Dich über die Vielfalt natürlicher Lebensmittel und ernähre Dich abwechslungsreich. Aber erwarte von einzelnen Pflanzenstoffen keine Wunder.
Denn gerade die Geschichte von Lutein und Zeaxanthin zeigt, wie faszinierend unser Körper ist.
Manchmal steckt hinter einem ganz gewöhnlichen Teller Gemüse ein erstaunlicher biologischer Zusammenhang.
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Gesundheitsinformation. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Eigenschaften von Lutein und Zeaxanthin sowie ihr natürliches Vorkommen im Auge begründen keine Aussage zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Augenerkrankungen. Bei bestehenden Augenerkrankungen oder Sehbeschwerden ist eine individuelle augenärztliche Beratung erforderlich.




