Großer Fehler bei Sodbrennen - einfach mehr Kartoffeln essen?
Kartoffeln essen oder Kartoffelpresssaft trinken – wo liegt eigentlich der Unterschied?
Kartoffeln essen oder Kartoffelpresssaft trinken – ist das nicht eigentlich dasselbe? Schließlich stammt doch beides aus derselben Knolle.
Auf den ersten Blick klingt diese Überlegung durchaus logisch.
Kartoffeln gehören zu den bekanntesten Lebensmitteln überhaupt. Wir essen sie gekocht, gebacken, als Püree oder in vielen anderen Zubereitungen.
Und vielleicht hast Du auch schon einmal gehört, dass Kartoffelpresssaft früher als traditionelles Hausmittel bei Magenbeschwerden verwendet wurde.
Da liegt eine Frage nahe:
Warum sollte man sich überhaupt mit Kartoffelpresssaft beschäftigen, wenn man stattdessen einfach Kartoffeln essen kann?
Die Antwort hat zunächst einmal nichts mit einer medizinischen Wirkung zu tun.
Sondern mit der Zusammensetzung und Verarbeitung eines Lebensmittels.
Was steckt eigentlich in einer Kartoffel?
Wenn wir an Kartoffeln denken, fällt uns meistens zuerst die Stärke ein.
Tatsächlich enthalten Kartoffeln aber eine Vielzahl unterschiedlicher Bestandteile.
Dazu gehören Wasser, Stärke, Ballaststoffe, Eiweiße, Mineralstoffe und verschiedene natürliche Pflanzenstoffe.
Welche Mengen davon enthalten sind, hängt unter anderem von der Sorte, den Anbaubedingungen, der Lagerung und der Zubereitung ab.
Eine Kartoffel ist also kein einheitlicher Stoff, sondern ein komplex zusammengesetztes Lebensmittel.
Und genau deshalb verändert sich ihre Zusammensetzung, wenn sie verarbeitet wird.
Was passiert, wenn eine Kartoffel gepresst wird?
Bei der Herstellung von Kartoffelpresssaft wird Kartoffelgewebe mechanisch zerkleinert und anschließend ausgepresst.
Dabei entsteht eine Flüssigkeit, in die verschiedene Bestandteile des Kartoffelgewebes übergehen.
Vor allem wasserlösliche Stoffe können im Presssaft enthalten sein.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte Mineralstoffe, organische Säuren und weitere lösliche Verbindungen.
Andere Bestandteile bleiben überwiegend im festen Rückstand zurück.
Das betrifft insbesondere einen großen Teil der Stärke und der unlöslichen Pflanzenbestandteile.
Allerdings hängt die tatsächliche Zusammensetzung des Presssafts stark vom jeweiligen Herstellungsverfahren ab.
Kartoffelpresssaft ist deshalb nicht einfach eine verflüssigte Kartoffel mit unveränderter Zusammensetzung.
Durch das Pressen verändert sich das Verhältnis der enthaltenen Bestandteile.
Warum ist Kartoffelpresssaft nicht dasselbe wie eine gekochte Kartoffel?
Wenn Du Kartoffeln kochst, laufen verschiedene physikalische und chemische Veränderungen ab.
Die Stärke nimmt Wasser auf und verkleistert.
Bestimmte Inhaltsstoffe können sich durch die Hitze verändern.
Ein Teil wasserlöslicher Stoffe kann außerdem in das Kochwasser übergehen.
Beim Pressen roher Kartoffeln finden dagegen andere Verarbeitungsschritte statt.
Dabei werden feste und flüssige Bestandteile mechanisch voneinander getrennt.
Eine gekochte Kartoffel und der Presssaft einer rohen Kartoffel unterscheiden sich deshalb sowohl in ihrer Struktur als auch in ihrer Zusammensetzung.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die eine Zubereitung grundsätzlich besser oder gesünder wäre als die andere.
Es handelt sich zunächst einfach um unterschiedliche Lebensmittelzubereitungen.
Was ist getrockneter Kartoffelpresssaft?
Jetzt kommt eine dritte Variante hinzu.
Kartoffelpresssaft enthält naturgemäß viel Wasser.
Wird ihm dieses Wasser durch ein geeignetes Trocknungsverfahren entzogen, entsteht ein getrocknetes Erzeugnis.
Dieses unterscheidet sich sowohl von der ursprünglichen Kartoffel als auch vom flüssigen Presssaft.
Durch die Wasserentfernung verändert sich insbesondere die Konzentration der verbleibenden Bestandteile bezogen auf das Gewicht.
Allerdings können auch die Trocknungsbedingungen Einfluss auf die Zusammensetzung nehmen.
Manche Stoffe sind gegenüber Wärme, Sauerstoff oder anderen Verarbeitungseinflüssen empfindlich.
Deshalb lässt sich nicht pauschal behaupten, dass getrockneter Kartoffelpresssaft sämtliche Eigenschaften des frischen Presssafts unverändert besitzt.
Auch hier kommt es auf das konkrete Herstellungsverfahren an.
Drei Zubereitungen aus einer Knolle
Schauen wir uns die Unterschiede noch einmal an.
1. Die Kartoffel als Lebensmittel
Sie enthält ihre natürlichen Bestandteile in der für die Knolle typischen Struktur.
Beim Kochen, Backen oder einer anderen Zubereitung können sich diese Bestandteile verändern.
2. Der flüssige Kartoffelpresssaft
Er entsteht durch mechanisches Pressen von Kartoffelgewebe.
Dabei gelangen verschiedene wasserlösliche Bestandteile in die Flüssigkeit, während ein Teil der festen Bestandteile abgetrennt wird.
3. Der getrocknete Kartoffelpresssaft
Er entsteht durch die Entfernung von Wasser aus dem Presssaft.
Seine genaue Zusammensetzung hängt vom Ausgangsmaterial und vom Trocknungsverfahren ab.
Alle drei Erzeugnisse stammen aus Kartoffeln.
Aber sie sind hinsichtlich ihrer Verarbeitung, Struktur und Zusammensetzung nicht identisch.
Warum wurde Kartoffelpresssaft traditionell bei Magenbeschwerden verwendet?
Kartoffelpresssaft wird in der europäischen Hausmitteltradition seit längerer Zeit im Zusammenhang mit Magenbeschwerden erwähnt.
Die überlieferten Anwendungen entstanden in einer Zeit, in der viele heutige diagnostische und therapeutische Möglichkeiten noch nicht zur Verfügung standen.
Menschen nutzten unterschiedliche pflanzliche Zubereitungen und gaben ihre Erfahrungen weiter.
Aus solchen Überlieferungen entwickelten sich traditionelle Hausmittel.
Doch eine lange Anwendungsgeschichte ist noch kein Beleg dafür, dass eine bestimmte Zubereitung tatsächlich gegen eine Erkrankung wirkt.
Dafür sind wissenschaftliche Untersuchungen erforderlich.
Gerade bei Sodbrennen ist diese Unterscheidung wichtig.
Denn das typische Brennen hinter dem Brustbein kann unterschiedliche Ursachen haben.
Was hat Sodbrennen eigentlich mit Magensäure zu tun?
Unser Magen produziert Magensäure, die wichtige Aufgaben bei der Verdauung erfüllt.
Zwischen Magen und Speiseröhre befindet sich ein Verschlussmechanismus, der normalerweise verhindert, dass Mageninhalt ungewollt zurückfließt.
Gelangt Mageninhalt dennoch in die Speiseröhre, sprechen Mediziner von Reflux.
Dieser Rückfluss kann Beschwerden wie Brennen hinter dem Brustbein oder saures Aufstoßen verursachen.
Dabei ist wichtig:
Sodbrennen bedeutet nicht automatisch, dass der Magen zu viel Säure produziert.
Auch die Funktion des Verschlussmechanismus, anatomische Verhältnisse und weitere Faktoren können eine Rolle spielen.
Deshalb lässt sich aus der Zusammensetzung eines Lebensmittels allein nicht ableiten, ob es bei Sodbrennen hilfreich wäre.
Was sagt die Wissenschaft zu den unterschiedlichen Kartoffelzubereitungen?
Die Zusammensetzung von Kartoffeln und Kartoffelerzeugnissen ist Gegenstand zahlreicher lebensmittelwissenschaftlicher Untersuchungen.
Dabei geht es beispielsweise um Stärke, Mineralstoffe, Eiweiße und sekundäre Pflanzenstoffe.
Auch die Veränderungen durch verschiedene Verarbeitungsverfahren werden untersucht.
Das ist allerdings etwas anderes als der klinische Nachweis einer Wirkung gegen Sodbrennen.
Um beurteilen zu können, ob eine bestimmte Kartoffelzubereitung Beschwerden bei Menschen mit Refluxerkrankungen zuverlässig beeinflusst, wären entsprechend aussagekräftige klinische Studien erforderlich.
Aus den bekannten Unterschieden zwischen Kartoffeln, Kartoffelpresssaft und getrocknetem Kartoffelpresssaft lässt sich eine solche Wirkung nicht ableiten.
Ebenso wenig lässt sich allein aus der Herkunft aus derselben Pflanze auf eine vergleichbare medizinische Wirkung schließen.
Kann man Kartoffelpresssaft selbst herstellen?
Technisch lässt sich aus rohen Kartoffeln Flüssigkeit gewinnen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass selbst hergestellter roher Kartoffelsaft bedenkenlos getrunken werden sollte.
Kartoffeln enthalten natürliche Glykoalkaloide, insbesondere α-Solanin und α-Chaconin.
Deren Gehalt kann unter anderem durch Sorte, Lagerung, Beschädigungen und Lichteinwirkung beeinflusst werden.
Besonders grüne, stark gekeimte oder beschädigte Kartoffeln können erhöhte Gehalte aufweisen.
Diese Stoffe können in größeren Mengen gesundheitsschädlich sein.
Da sich ihre Konzentration in selbst hergestelltem Presssaft nicht zuverlässig abschätzen lässt, sollte man aus der traditionellen Verwendung keine pauschale Empfehlung zur Eigenherstellung ableiten.
Die lebensmitteltechnologische Herstellung unter kontrollierten Bedingungen ist deshalb von der häuslichen Verarbeitung zu unterscheiden.
Was können wir daraus lernen?
Vielleicht vor allem, dass die Herkunft eines Lebensmittels noch nicht alles über seine Eigenschaften aussagt.
Eine Kartoffel, ihr Presssaft und ein daraus hergestelltes Trockenprodukt können sich erheblich unterscheiden.
Das ist kein Widerspruch.
Es ist eine normale Folge unterschiedlicher Verarbeitungsverfahren.
Ähnliche Unterschiede kennen wir auch von vielen anderen Lebensmitteln.
Eine frische Frucht, ihr Saft und ein getrocknetes Fruchtpulver sind schließlich ebenfalls nicht identisch.
Entscheidend ist deshalb immer, welche Bestandteile im jeweiligen Erzeugnis tatsächlich enthalten sind und welche Aussagen wissenschaftlich belegt werden können.
Fazit: Dieselbe Knolle bedeutet nicht dasselbe Produkt
Kartoffeln sind vielseitige Lebensmittel.
Durch Pressen und Trocknen können daraus unterschiedliche Erzeugnisse entstehen.
Dabei verändern sich Struktur, Wassergehalt und die relative Zusammensetzung der Bestandteile.
Die traditionelle Verwendung von Kartoffelpresssaft bei Magenbeschwerden ist ein interessantes Kapitel der Ernährungsgeschichte.
Sie liefert jedoch keinen ausreichenden Nachweis für eine Wirkung gegen Sodbrennen.
Wer sich mit Kartoffelpresssaft beschäftigt, sollte deshalb zwischen der ursprünglichen Kartoffel, dem flüssigen Presssaft und dem getrockneten Erzeugnis unterscheiden.
Denn dass alles aus derselben Knolle stammt, bedeutet noch lange nicht, dass es dasselbe ist.
*Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Gesundheits- und Ernährungsinformation. Er stellt keine Empfehlung zur Behandlung von Sodbrennen mit Kartoffeln, Kartoffelpresssaft oder getrocknetem Kartoffelpresssaft dar. Bei wiederkehrenden oder anhaltenden Beschwerden sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Medizinisch notwendige Behandlungen dürfen nicht eigenmächtig eretzt oder abgesetzt werden.




