Gibt es ein natürliches Benzodiazepin?

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Das ist eine der ganz wichtigen Fragen in der Medizin. Denn die Beruhigungsmittel, Tranquilizer und Schlafmittel, Hypnotika, die chemisch zumeist zu den Benzodiazepinen gehören, sind bei den Verordnungen ganz oben.

Die Statistik der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen weist aus, dass 7,7% der Deutschen mindestens ein Mal im Jahr ein solches Medikament eingenommen haben. Frauen führen dabei mit 9,6%, während Männer mit 5,8% ein wenig hinterher hinken. 

Wenn man bedenkt, dass die Benzos, bekannteste Vertreter sind Valium (Diazepam) und Tavor (Lorazepam) außer Müdigkeit keine größeren Akutnebenwirkungen haben, dann wäre ja alles in Ordnung.

Leider gibt es aber einen Haken. Benzos können süchtig machen. Laut Angaben der bereits zitierten Hauptstelle sind schätzungsweise 1,4 – 1,5 Millionen Menschen abhängig von Medikamenten mit Suchtpotenzial und davon 1,1 – 1,2 Millionen Menschen abhängig von Benzodiazepinen.

Es scheint so, dass die Fähigkeit, sich selbst auszuhalten, immer mehr abnimmt. Das kann an der zunehmenden Reizüberflutung liegen, vielleicht aber auch an den geänderten Lebens- und Ernährungsgewohnheiten oder an beidem.

Für viele Betroffene führt der Weg aus der Krise durch Achtsamkeit und Psychotherapie. Vielen anderen ist der Weg aber verschlossen. Zum Teil weil ihnen der innere Zugang fehlt, zum anderen weil es gar nicht so einfach ist, einen Therapieplatz zu bekommen, den dann auch die Krankenkasse zahlt. 

Hinzu kommt, dass die Psychotherapie nach wie vor wie ein Gefahrgut behandelt wird. Sie muss aufwändig beantragt werden und ist streng limitiert, sowohl was die Methoden als auch die Dauer angeht. Da ist es einfacher, zum Rezeptblock zu greifen und eine – vorübergehende – Lösung anzubieten.

Nun gibt es seit Jahrtausenden Pflanzenstoffe, die ebenfalls beruhigend, entspannend und schlaffördernd wirken, ohne die Abhängigkeitsgefahr. In der Volksmedizin sind sie weiterhin verankert, nur aus dem etablierten Medizinbetrieb wurden sie im Laufe der letzten Jahrzehnte verbannt.

Es wurden bestimmte Studiennachweise zur Wirksamkeit gefordert und alle Arzneien, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, wurden aus dem Erstattungssystem der Krankenkassen ausgeschlossen. Das war und ist der sichere Tod eines Mittels.

Das Ganze war und ist unfair. Die geforderten Studien sind teuer und können im Prinzip nur von Firmen gemacht werden, die danach ein patentgeschütztes Präparat über viele Jahre teuer verkaufen können, um die Kosten wieder einzuspielen.

Natur kann man nicht per Patent schützen. Wer solche Studien für sein Präparat macht, ist von vornherein pleite, da er niemals mehr die Kosten dafür einnehmen kann.

Aber es gibt Auswege. Immer mehr Menschen vertrauen den eigenen, selbstgemachten Erfahrungen und versorgen sich selbst mit den für sie sinnvollen und hilfreichen Natursubstanzen. Und davon gibt es reichlich.

Wie bei den natürlichen Antidepressiva rate ich von Einzelsubstanzen ab. Nicht, weil die im Einzelfall nicht hilfreich sein können. Sondern weil auch hier die Stoffwechsel-Bedürfnisse von Mensch zu Mensch verschieden sind und sogar innerhalb ein- und desselben Menschen zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Stoffwechsellagen bestehen, die dann differenzierte Antworten brauchen.

Ich selbst habe mit den folgenden Substanzen, oft einzeln, meist aber in Kombination durchaus gute Erfolge bei meinen Patienten erzielt. Nicht immer, aber häufig.

  • Lavendelblüten-Pulver
  • Melissen-Extrakt
  • Hopfenzapfen-Pulver
  • Coffea arabica
  • Passionsblumen-Extrakt
  • Rosenwurz-Extrakt
  • Baldrian-Extrakt
  • Johanniskraut-Pulver
  • Melonen-Extrakt
  • Safran-Extrakt
  • B-Vitamine

Die Wirkung der einzelnen Substanzen sowie deren Eigenschaften bzw. Vorzüge und, sofern vorhanden, die Studienergebnisse können Sie gerne bei mir erfragen. Da mein Blog auf der Seite eines Nahrungsergänzungsherstellers erscheint, kann eine Darstellung hier zu Verstößen gegen das Heilmittelwerbegesetzes führen, was ich unbedingt vermeiden will.

Fast alle dieser Substanzen sind in der Apotheke zu bekommen. Es gibt auch Nahrungsergänzungsmittel, die diese Naturstoffe einzeln oder in Kombination beinhalten. Hier wie dort sollten Sie als Anwender darauf achten, dass die Hersteller auch die Konzentrationen beimischen, die in den Studien erfolgreich waren.

Tavor expidet, ein häufig bei Angst- und Panikerkrankungen verordneter Tranquillizer auf Benzodiazepinbasis wirkt innerhalb von 20 Minuten. Das kann man von einem Naturpräparat nicht erwarten. In der Regel dauert es ein paar Tage, bis man eine allgemeine Änderung, Beruhigung, Entspannung oder Schlafverbesserung bemerkt. Es macht also wenig Sinn, die ‚Naturpillle‘ nur dann ‚einzuwerfen‘, wenn man in einer akuten Ausnahmesituation ist.

Sinnvoll ist die Einnahme über einen längeren Zeitraum von 1-3 Monaten. Tritt in dieser Zeit keine Wirkung ein, dann ist das nicht der richtige Weg und Alternativen sollten gesucht und in Anspruch genommen werden.

Aber auch, wenn die Einzelsubstanz oder die Mischung hilft, sollten Sie sich überlegen, wie und warum sie in die Krise gekommen sind und sich u.U. Hilfe, z.B. im Rahmen einer wie auch immer gearteten Psychotherapie holen.

Naturheilkunde ist ganzheitlich und das alleinige kurieren am Symptom löst die eigentlichen Probleme auf Dauer nicht.

Veröffentlicht am 8. September 2020 von Hinrich Hörnlein-Rummel bei Fragen wenden Sie sich bitte an praxis@hoernlein-rummel.de, Facharzt aus Oldenburg und Berlin

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