Makula & Makuladegeneration

Der höchste Anteil der Erblindungen, nämlich 50% geht zu Lasten der altersbedingten trockenen Makuladegeneration (AMD).
Der größte Risikofaktor, dieses Leiden zu bekommen steht schon im Namen, es ist das Alter. Allerdings ist das Alter nicht das einzige Risiko & streng genommen ist auch nicht das Alter an der Krankheit schuld, sondern eine Reihe von Umständen, die direkt oder indirekt mit dem Alter zusammenhängen.
Aber der Reihe nach.

In den Beiträgen zum Glaukom habe ich mich schon mit der Anatomie der Augen beschäftigt. Beim Glaukom liegt das Problem im vorderen, bei der AMD im hinteren Augenabschnitt, genauer gesagt im Bereich der Netzhaut. So ziemlich in der Mitte der Netzhaut findet sich ein etwa linsengroßes Areal, die Makula.
Auf dem unteren Bild ist sie mit einem Kreis umgeben.

Die Makula, wissenschaftlich als Macula lutea bezeichnet, heißt übersetzt der gelbe Fleck. Gelb deshalb, weil er einen hohen Anteil des gelben Farbstoffs Lutein enthält. Bei unserem Bild, das mit einer Augen(Fundus)kamera aufgenommen wurde, wird der Fleck aufgrund der verwendeten Farbfilter dunkelbraun dargestellt. Das gelbe Areal rechts davon ist der Sehnerv.


In der Makula befindet sich die Stelle des schärfsten Sehens, die Fovea Centralis, auf deutsch die zentrale Mulde.
Es handelt sich tatsächlich um eine Vertiefung in der Netzhaut, wie Sie es im nachfolgenden Bild, einem Computerschnitt durch die Netzhaut, sehen können.

In der Mitte sehen Sie die zentrale Grube, rechts & links die „normale“ Netzhaut mit der grünen Oberschicht. Unter der Oberschicht finden Sie einen dünnen blauen Streifen. In diesem Streifen finden sich die eigentlichen Sehzellen. Nahezu in der gesamten Netzhaut werden diese Zellen von der grünen Schicht geschützt, nur in der zentralen Grube liegen sie offen & ungeschützt.

In diese Grube wird von der Linse her das Licht gebündelt aufgenommen. Dort sind die meisten Sehzellen pro Quadratmillimeter & deshalb ist dort der Ort des schärfsten Sehens. Wenn wir geradeaus schauen & die Augen ruhig halten, sehen wir sehr gut das, was direkt vor uns ist. Was sich schon wenige Winkelgrade weiter rechts, links, oben oder unten befindet, sehen wir zwar, wenn wir aber genau sehen wollen, was es ist, müssen wir direkt hinsehen & das Objekt mit den Augen fixieren.

Je weiter am Rand sich das Objekt befindet, desto schwieriger ist es, es zu erkennen & ganz am Rand können wir eigentlich nur noch Bewegungen bewusst wahrnehmen.
Der Nachteil, dass die Augen nur einen winzigen Ausschnitt aus dem Sehfeld scharf erkennen können wird ausgeglichen durch die enorme Beweglichkeit der Augen & des Kopfes, was uns, zumindest wenn wir Kopf & Hals noch bewegen können, fast einen Rundum Blick haben.
Die Konzentration des Lichtes auf den einen, ungeschützten Punkt in der Netzhaut, hat aber auch einen Nachteil.
Sonnenlicht ist immer energiehaltig. Je heller es ist & je höher der Anteil an energiereicher UV-Strahlung, umso mehr Schädigungspotential hat es auch.

Jeder kennt den Versuch, mit einem Brennglas Papier oder Holz zu entzünden. Unsere Augenlinsen funktionieren genauso wie ein Brennglas & unsere Netzhaut, hier vor allem die Makula reagiert wie ein Stück Papier. Es verbrennt zwar nicht mit lodender Flamme, aber es entzündet sich, wie die Haut beim Sonnenbrand, so stark, dass im schlimmsten Fall die Sehzellen zerstört werden & Sehstörungen bis hin zur Blindheit eintreten.
Deshalb sollte man niemals direkt in die Sonne schauen, bei starker Sonneneinstrahlung eine Sonnenbrille tragen & beim Schweißen oder beim Umgang mit Energielasern, auch als Zuschauer eine Schutzbrille tragen, die die energiereichen Strahlen absorbiert & dadurch die Augen schützt.

Aber nicht nur Extremlicht gefährdet unser Sehvermögen. Jedes Licht bringt Energie auf die Zellen der Makula. Nicht verbrauchte, überschüssige, Energie wirkt sich negativ auf die Augenzellen aus.
Die Hauptgefahr droht aber noch an anderer Stelle. Wenn 90% des Lichtes in der zentralen Mulde ankommt & dort die meisten Sehzellen sitzen, dann muss das Licht dort auch verarbeitet & in Nervenimpulse umgewandelt werden. Das ist ein energieintensiver Vorgang, der große Mengen an ATP, dass ist die körpereigenen Energiewährung verbraucht. ATP wird in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, aus Blutzucker & Sauerstoff hergestellt. Bei der ATP Produktion entstehen Unmengen von Freie Radikale.

Die Sehzellen haben pro Zelle mit 2.000 bis 2.500 Mitochondrien die meisten Kraftwerke & damit auch die höchste Energieproduktion pro Zelle & damit auch den größten Anfall von Freie Radikale.
Weil in der zentralen Grube auch noch der Schutz der grünen Schicht weg fällt, hat sich die Natur einen besonderen Schutzmechanismus einfallen lassen.
Es handelt sich dabei um eine Art innere Sonnenbrille durch den gelben Farbstoff Lutein.
Je kürzer die Wellenlänge, desto schädlicher ist das Licht für das Auge. Das Licht mit der kürzesten Wellenlänge im sichtbaren Licht ist das blaue Licht, noch kürzer ist das UV-Licht im unsichtbaren Spektrum.
Blaues Licht & das noch kürzere UV-Licht kann durch das Gelb des Luteins neutralisiert werden. Die Lichtwellen werden vom gelben Farbstoff aufgenommen, der allerdings dabei verbraucht wird. Im Gegensatz zur Sonnenbrille, die 100 Jahre & länger blaues oder UV-Licht neutralisieren kann, ohne dass „nachgefüllt“ werden muss, ist das Lutein unserer inneren Sonnenbrille ein Verbrauchsgut & muss ständig ersetzt werden.

Fehlt es irgenwann, dann ist der gelbe Fleck nicht mehr gelb & die Sonnenstrahlen aber auch die Freie Radikale im Augenstoffwechsel haben freie Bahn & „verbrennen“ das Gewebe. Stoffwechsel-Schlacken können dann nicht mehr abtransportiert werden. Sie legen sich dann wie ein grauer Film über der Netzhaut ab & behindern dann die freie Sicht nach vorn.
Dies & das allmähliche Absterben der Sehzellen führen dann zur AMD, der sich zunächst als grauer Schatten in der Mitte des Sehzentrums zeigt & dann immer größer wird. An den Rändern kann man dann noch einige Zeit etwas sehen, aber wenn man hinschaut, um es genau erkennen zu können, dann wandert der Schatten mit & verhindert das Erkennen.

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